APS-C-Crop-Modus an der Vollformatkamera

Sinnvoll oder überbewertet?

Nachdem ich mich im letzten Beitrag schon mit dem Crop-Faktor zwischen meiner Vollformat- und meiner APS-C-Kamera beschäftigt habe, wollte ich noch einen Schritt weitergehen: Was passiert eigentlich, wenn ich meine Vollformatkamera, die Sony A7V, selbst in den APS-C-Crop-Modus schalte? Dafür habe ich den Vollmond mit identischer Brennweite, Blende, ISO und Belichtungszeit einmal normal und einmal im Crop-Modus fotografiert.

Was macht der APS-C-Modus eigentlich?

Der APS-C-Modus ist bei Sony-Vollformatkameras kein zweiter, kleinerer Sensor, der zugeschaltet wird – es ist derselbe Vollformatsensor, von dem die Kamera nur den mittleren Bildbereich ausliest, der der Größe eines APS-C-Sensors entspricht. Softwareseitig wird also genau der Ausschnitt aufgenommen, den auch eine echte APS-C-Kamera erfassen würde, inklusive des Crop-Faktors von 1,5x. Das bewirkt denselben „Zoom-Effekt“, den ich schon im letzten Beitrag beschrieben habe – nur eben in einer einzigen Kamera umschaltbar.

Praktisch bedeutet das auch: Man kann damit APS-C-Objektive an einer Vollformatkamera verwenden, ohne die starke Vignettierung zu bekommen, die entsteht, wenn der kleinere Bildkreis eines APS-C-Objektivs auf den vollen Vollformatsensor trifft.

Erheblicher Auflösungsverlust

Der wichtigste Punkt dabei: Die Megapixelzahl sinkt nicht einfach um den Crop-Faktor von 1,5, sondern um dessen Quadrat – also etwa um den Faktor 2,25. Bei meiner A7V heißt das konkret:

  • Normaler Modus: 7.008 x 4.672 Pixel, das entspricht rund 32,7 Megapixel
  • APS-C-Modus: 4.608 x 3.072 Pixel, das entspricht nur noch rund 14,2 Megapixel

Aus über 32 Megapixel werden also nur noch gut 14 Megapixel. Das ist mehr als eine Halbierung und macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn man die Bilder groß drucken oder stark croppen möchte.

Mein Testfoto: Der Mond im Vergleich

Für den direkten Vergleich habe ich denselben Vollmond mit identischen Kameraeinstellungen fotografiert – Sigma 150-600mm bei 548mm, Blende f6.3, ISO 125, 1/125 Sekunde. Einmal im normalen Modus, einmal im APS-C-Crop-Modus. Der Bildausschnitt im Crop-Modus ist dadurch enger, der Mond wirkt größer im Bild – genau der erwartete Effekt des Crop-Faktors. Gleichzeitig sinkt aber die tatsächliche Pixelauflösung der Aufnahme deutlich, wie oben beschrieben.

Meine persönliche Meinung

Für mich ist das Ergebnis eindeutig: Die Bildqualität leidet im APS-C-Crop-Modus massiv, weil so viele Pixel und damit Bilddetails einfach wegfallen. Mir fällt ehrlich gesagt kein Szenario ein, in dem sich das lohnt – denn genau denselben Bildausschnitt könnte ich auch erreichen, indem ich ganz normal im vollen Vollformat fotografiere und das Bild anschließend am Rechner zuschneide. Der Unterschied: Beim nachträglichen Croppen behalte ich die volle Kontrolle über den genauen Ausschnitt und muss mich nicht schon beim Fotografieren festlegen, während ich beim Crop-Modus direkt in der Kamera dieselbe Pixelmenge verliere, ohne einen echten Vorteil zu haben.

Der theoretische Sinn des Crop-Modus

Bei meiner Recherche bin ich auf zwei Situationen gestoßen, in denen der Crop-Modus zumindest theoretisch Sinn ergeben könnte:

  • Framing in Echtzeit

    Im Sucher oder auf dem Display sieht man den gecroppten Bildausschnitt bereits live, bevor man auslöst. Das kann helfen, wenn man sich beim Fotografieren schwertut, den späteren Ausschnitt schon vorab richtig einzuschätzen.

  • APS-C-Objektive verwenden

    Wer noch APS-C-Objektive besitzt, kann sie im Crop-Modus ohne die sonst übliche starke Vignettierung an der Vollformatkamera nutzen.

Für meine eigene Arbeit überwiegen diese Vorteile aber nicht den massiven Auflösungsverlust. Ich bleibe daher bei meinem Ansatz: im vollen Vollformat fotografieren und bei Bedarf am PC croppen – so habe ich immer die maximale Bildqualität als Ausgangsbasis.